Andacht Februar 2022

Hoffentlich hoffnungsvoll

Hoffnungsvoll starteten wir in die Kinderwunschzeit. Die Hoffnung auf eigene Kinder, auf eine kleine Familie, beflügelte uns. Ideen wurden geschmiedet, Räume gedanklich umgestaltet, und so manches Erziehungskonzept angedacht. Die ersten Monate verstrichen ohne Schwangerschaft, aber wir ließen uns der Hoffnung nicht berauben, denn „gut Ding will Weile haben“.

Als die „Weile“ aber länger anhielt, viel zu lange für meinen Geschmack, verwandelte sich die zuversichtliche Hoffnung. Samuel Koch hat hierfür, wie ich finde, ganz passende Worte gefunden.

„Hoffnung ist weitaus mehr als nur ein paar rosige Gedanken, mit denen ich mich irgendwie über eine Misere rette. Hoffnung ist aktiv – im Grunde ist sie eine existenzielle Trotzreaktion.“

Die zuversichtliche und beschwingte Hoffnung wird zur existenziellen Trotzreaktion. Diese Zeit ist bei jedem (noch) kinderlosen Ehepaar anders.
Wege der medizinischen Abklärung werden beschritten. Verschiedene Behandlungen überdacht und vielleicht auch gemacht.
Wir sind einen anderen Weg, unseren eigenen Weg ohne medizinische Abklärung gegangen. Immer schwingt etwas existenzielles mit, denn ein Leben ohne eigene Kinder kann und will sich jedes Ehepaar zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen. Krampfhaft hält man an der Hoffnung fest, dass es den nächsten Monat klappen könnte.

 

Über die Monate, vielleicht auch Jahre schwindet die Hoffnung. Die Hoffnung auf eigene Kinder, aber ganz oft auch generell die Hoffnung. Wozu noch hoffen, wenn die (große) Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie wieder zerschlagen wird. Und so versuchen wir unser Leben hoffnungsloser zu leben.

Ein Zustand, der gesundheitsgefährdend ist, denn Hoffnung

  • hat psychische und physische Auswirkung auf die Gesundheit
  • hat Auswirkung auf unsere sportliche Leistung
  • ist schmerzlindernd bei Krankheit
  • beschleunigt Gesundheitsprozesse

Menschen mit Hoffnung

  • leben in stärkeren Beziehungen
  • haben weniger Depressionen und Ängste
  • sind kreativere Problemlöser

Bei mir war es nicht ausschließlich die Kinderlosigkeit, die mir die Hoffnung raubte. Nach einem Todesfall im näheren Freundeskreis war meine Hoffnung vollends zerschlagen.
Wozu noch hoffen, wenn alle Hoffnung umsonst ist?
Wie kann ich an Gott glauben, ihm vertrauen, meine Hoffnung auf ihn setzen, wenn er  (scheinbar) nichts tut?

Es dauerte seine Zeit, bis sich mein Hoffnungshorizont erweiterte.
Ganz oft waren da meine ganz menschlichen Hoffnungen, deren Erfüllung hier auf der Erde stattfindet.

Die Hoffnung auf:

  • Kinder
  • Gesundheit
  • ein schönes Zuhause
  • einen tollen Job
  • gute Freunde
  • sonniges Wetter

 All das kann sich erfüllen, oder eben auch nicht. Keiner sichert mir zu, dass sich diese Hoffnung erfüllt.

Ich wollte hoffen auf … dieses eine Ziel.
Ich wollte darauf hoffen, dass es wirklich Hoffnung gibt und so begann eine Spurensuche.

In der Bibel finde ich viele Menschen und Vorbilder, die ihre Hoffnung auf Gott gesetzt haben und somit wirklich beständige Hoffnung gefunden haben.

Abraham ließ sich die Hoffnung nicht nehmen.

Gott hatte Abraham versprochen: "Deine Nachkommen werden wie die Sterne am Himmel sein – unzählbar." Und obwohl alles hoffnungslos schien, gab Abraham die Hoffnung nicht auf, sondern glaubte diesen Worten. So wurde er zum Stammvater vieler Völker.
Römer 4, 181

Durch die Hoffnungslosigkeit hindurch an der Hoffnung festhalten. Das klingt nach existenzieller Trotzreaktion. Ja, ich glaube, ich muss mich aktiv für die Hoffnung entscheiden. Aber es gibt Phasen, wo mir die Kraft für das Festhalten und Entscheiden fehlt.

Ich muss Hoffnung nicht produzieren, sondern ich darf sie in mich hineinlegen lassen.2

Denn ich allein weiß, was ich mit euch vorhabe: Ich, der HERR, habe Frieden für euch im Sinn und will euch aus dem Leid befreien. Ich gebe euch wieder Zukunft und Hoffnung. Mein Wort gilt!
Jeremia 29, 111

Bei Gott darf ich Ruhe finden, Frieden, Erfüllung. Er kann es schenken, dass ich Fruchtbarkeit in meinem Leben sehe - auch da wo keine Kinder sind.

Gott selbst verspricht mir Hoffnung, weil er die Hoffnung ist. Eine Hoffnung die real ist und eine „Hoffnung die selbst im Tod den Weg ins Leben eröffnet, weil es kein Punkt, sondern ein Doppelpunkt ist.“2

Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und allem Frieden im Glauben, damit ihr überreich seid in der Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes!
Römer 15, 133

Ich habe eine ewige Hoffnung. Ein ewiges Leben bei IHM und mit IHM - ohne Leid, Schmerz, Ohnmacht.

Wenn ich in meinem Leben tiefe Hoffnungslosigkeit empfinde, nicht mehr weiter weiß und am verzweifeln bin, so ist diese Hoffnung immer wieder etwas, was mir neuen Lebensmut und neue Kraft schenkt. Gott selbst ist meine Hoffnung.
Und wenn ich auf ihn hoffe, gewinne ich neue Kraft, so steht es in Jesaja 40,31.

 

Was ist nun also der Glaube? Er ist das Vertrauen darauf, dass das, was wir hoffen, sich erfüllen wird, und die Überzeugung, dass das, was man nicht sieht, existiert.
Hebräer 11, 14

In Gott habe ich meine Hoffnung wieder gefunden. IHM kann ich in hoffnungslosen Zeiten vertrauen, denn meine Hoffnung ist eine begründete Hoffnung in Gott.

Der Gott der Hoffnung erfülle auch Dich mit aller Freude und allem Frieden im Glauben, damit Du überreich bist in der Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes!“

Simone, im Februar 2022


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Bibelübersetzungen:
1 Hoffnung für alle
3 Elberfelder
4 Neues Leben Bibel

Zitate:
2 Andreas Boppart