Andacht November 2023

Alles oder nichts?

Alles haben oder nichts haben,
alles verstehen oder garnix kapieren,
sich anstrengen und alles schaffen wollen oder aufgeben,
optimistisch oder pessimistisch sein…

oft spielen sich meine Gedanken und mein Leben zwischen diesen Polen ab. Mal gefühlt auf der einen Seite, mal auf der anderen und ganz oft irgendwo dazwischen.

Salomo war (so sagt man) der reichste und klügste Mensch der jemals gelebt hat, zumindest zu seiner Zeit. Er hat alles gesehen, alles besessen, brauchte nur mit den Fingern zu schnippen um alles zu bekommen. Er war König. Er hatte Macht. Er war klug und weise. Am Ende seines Lebens kommt er zu dem Schluss

„Alles ist nichtig.“ (Die Bibel – Buch Prediger)


Wie kommt er zu diesem Urteil? Wie leer muss dieser Mann sich gefühlt haben, obwohl er doch alles hatte und klug und weise war. Dieses „Alles ist nichtig“ hat mich in der letzten Zeit öfter mal beschäftigt:
Ist alles nichtig was ich im Alltag tue? Was ich erreicht habe? Was mir wichtig ist? Für was ich viel Zeit einsetze? – nein, das glaube ich nicht, und an anderen Stellen in der Bibel wird uns das auch nicht vermittelt. Trotzdem erden mich diese Gedanken. Nicht alles so wichtig und so ernst zu nehmen kann auch sehr hilfreich sein. Wie unwichtig sind im großen und ganzen Weltgeschehen sind meine Unzulänglichkeiten, Misserfolge, Nicht-erreichtes, unerfüllte Wünsche.

Dass wir Menschen „nichts mitnehmen können“ nach unserem Tod, stellt Salomo im Prediger-Buch auch sehr gut raus. Er stellt fest, dass er all seinen Reichtum und alles was er aufgebaut hat, seinen Erben hinterlässt und bezeichnet auch das als Nichtigkeit und großes Unglück (Prediger 2,21). Das ist für uns kinderlose Paare ein spannender Gedanke, wo wir doch vielleicht denken, dass die Menschen mit Kindern es viel besser haben, weil das was man aufgebaut oder erworben hat, an die Kinder gehen wird. Nichtig, sagt Salomo. Es soll uns also auch darum nicht gehen. Wir können nichts in die Ewigkeit mitnehmen und es gibt auch keine Befriedigung den Menschen hier etwas zu hinterlassen.

Wo ist also unser Fokus, wenn doch alles nichtig ist? Was macht noch Sinn? Soll ich alle Bemühungen sein lassen? Aufgeben? Freudlos sein, weil ja doch alles nichts zählt, vergänglich und nichtig ist?

Lies einmal das Buch Prediger in der Bibel. Wie geht es dir damit? Immer wenn ich diese Kapitel lese, bin ich hin und her gerissen.

Einerseits bin ich beruhigt: dieser mächtige und weise Mann sieht ein, dass wir Menschen eigentlich garnichts auf die Reihe bekommen. Das stimmt mich gelassen und nimmt mir den Druck (den die Gesellschaft heute oft vermittelt), unbedingt alles schaffen zu müssen. Der einzelne Mensch ist letzten Endes im Weltlauf dieser Zeit ziemlich unbedeutend – er kommt und geht. Dazwischen arbeitet er, isst und trinkt er, tut allerlei Gutes und auch Schlechtes. Und geht am Ende wieder dahin. Aber es gibt auch die andere Sichtweise des Predigerbuches: irgendwie hört sich vieles frustrierend und trostlos an. Wer bin ich schon? …. Interessant ist dieser Aspekt wiederum für uns kinderlose Paare: es ist nicht wichtig, ob und wieviele Kinder wir haben. Damit zahlen wir auf kein Konto ein. Haben oder nicht haben, es ist egal, denn es zählt nicht. Weder Geld, Vermögen, Kinder, Gesundheit.

Was aber zählt? Zu welchem Schluss kommt Salomo nun? So kann doch dieses Buch nicht enden, immer nur das kreisen um die Nichtigkeit der Nichtigkeiten.

Salomo schließt in Prediger 12 ,13 wie folgt ab:

„Lasst uns die Summe aller Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das macht den ganzen Menschen aus.“

So einfach ist es also. Gott fürchten, bzw. anders ausgedrückt „Gott als den HERRN dieser Welt anerkennen und meinen persönlichen HERRN sein lassen. Ihn anbeten, ihm den Rang zugestehen, dass er viel höher ist als alles auf dieser Welt. Ihm den höchsten Platz in meinem Leben geben und vertrauen, dass er keine Fehler macht. Und dass seine Gedanken viel höher sind als meine Gedanken. Dazu seine Gebote halten. Das schaffen wir nicht, das wissen wir. Und genau deshalb ist Jesus für unsere ganze Schuld und unser Versagen am Kreuz gestorben. Er hat dafür bezahlt, hat den Tod besiegt und ist auferstanden. Er will, dass wir einen heiligen Lebensstil leben, nämlich einen der Gott gefällt, und wie das geht, können wir ganz „einfach“ in seinen Geboten und Lehren (dazu zähle ich z.B. die 10 Gebote im Alten Testament oder die Bergpredigt im Neuen Testament) nachlesen. So einfach ist es natürlich nicht. Aber wir dürfen es immer wieder neu probieren, versagen, ihm bringen und wieder neu durchstarten.

Alles oder Nichts?  Für mich heißt das: ALLES auf Jesus setzen und es mit NICHTS selbst aufnehmen müssen.


Tine im November 2023

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